1. Prolog
5 Jahre waren seit der Vernichtung Lucernas und Arthurs Krönung zum König Camelots vergangen. 5 Jahre, in denen sich einiges verändert hatte. Merlin war mittlerweile um einiges erwachsener geworden - nicht mehr ganz so vertrottelt, wie selbst Arthur zugeben musste. Natürlich passierten dem mittlerweile Mitte zwanzigjährigen immer noch genügend Missgeschicke, auch, wenn er nicht mehr in Arthurs Diensten als Leibdiener stand. Doch auch seine neue Aufgabe als dessen persönlicher Berater hatte seine Tücken und so hatte er z. B. zu Beginn seiner Tätigkeit eins-, zweimal verschlafen - was ihm natürlich eine üble Rüge Arthurs einbrachte… Nun ja, ansonsten war Merlins neue Aufgabe eigentlich relativ einfach. Arthur hatte natürlich sehr viel eigene Geschäfte zu erledigen, und nachdem - zumindest anfänglich - seine Neugierde für die Zauberei tatsächlich vorhanden gewesen war, und Merlin ihm auch einiges erklären durfte, hatte es nach einiger Zeit nachgelassen, zumal auch nichts wirklich Aufregendes und Gefährliches in Camelot und Umgebung passiert war. Auch, wenn Merlin immer wieder betont hatte, dass ihn ein ungutes Gefühl beschlich, dennoch hatte Arthur aufgehört, daran zu glauben, zumal nach so vielen Jahren nun beinahe die schlimmsten Gedanken vergessen waren. Doch Merlin hatte die Zeit nicht vollständig aus seinen Gedanken verdrängt. Zumal in der gesamten Zeit rein gar nichts von Morgana gehört oder gesehen wurde. Sie war wie vom Erdboden verschluckt… Dennoch wusste er, dass Arthur höchst ungern an Morgana erinnert wurde, schließlich war sie diejenige, die seinen Vater ermordet hatte! Und so behielt er seine Gedanken - noch - für sich.. Trotzdem war seine neue Aufgabe als Arthurs Berater nicht langweilig; Arthur fand immer neue Aufgaben und rief ihn auch das eine oder andere Mal zu sich an den Tisch.
Ja, auch Arthur hatte sich gemacht. Mittlerweile Ende Zwanzig, war er dem Volk ein guter König. Gerecht und milde. So, wie sich ein Volk einen König wünscht, und das hatte er in erster Linie auch Merlin zu verdanken. Natürlich gab es auch in den Dörfern um Camelot herum, magisch begabte Menschen und Merlin hatte dazu beigetragen, ihn wissen zu lassen, dass diese ihre Macht nicht zum Schlechten missbrauchen würden. Bis jetzt war es also gut gegangen und es gab keine Veranlassung, daran zu zweifeln, dass es auch so weiter gehen würde. Arthur hatte tatsächlich die Hoffnung - entgegen seiner Rede bei seiner Krönungszeremonie - dass die bösen Mächte ausgestorben sein könnten. Natürlich sollte er sich irren…
Dann gab es noch Leeana. Das Mädchen, das Merlin während seiner unfreiwilligen “Reise” durch die Dunkelheit getroffen, und der er es zu verdanken hatte, dass er wieder nach Camelot zurückkehren konnte, war bei im Schloss geblieben. Sie war mittlerweile 19 Jahre alt und eine bildhübsche junge Frau geworden. Merlin und sie waren die besten Freunde und fühlten füreinander wie Bruder und Schwester. Für beide war der jeweils Andere der Teil der Familie, den sie nie gehabt und immer gesucht hatten. Auch Arthur mochte sie, doch er war der König und daher waren seine Gefühle eher freundschaftlicher Natur. Doch er konnte Merlin verstehen.
Nachdem Merlin von Arthur zu seinem persönlichem Berater ernannt worden war, hatte dieser das Zimmer gewechselt und einen größeren Raum in Arthurs Nähe bezogen. Die kleine Stube, in der er bis dahin mit Gaius gewohnt hatte, wurde daher frei und nach einigen Überlegungen kam man darin überein, dass Leeana dort einziehen konnte. So wurde diese langsam aber sicher zu Merlins “Nachfolgerin” in Sachen “Heilkundelehrling”. Gaius war sehr erstaunt und erfreut darüber, dass Leeana sich für seine Heilkünste interessierte und so brachte er ihr alles bei, was er auch Merlin früher beigebracht hatte - und bei Leeana schien es tatsächlich mehr Anklang zu finden..
Ja, Leeana fand tatsächlich Gefallen an den ganzen Künsten. Der Heilung anderer Menschen. Es machte ihr Spaß, und gab ihr Freude, zu sehen wie kranke Menschen wieder gesund wurden, und es machte sie auch ein wenig stolz, wenn sie dazu beitragen konnte - auch ohne Zauberei! Natürlich hätte Merlin das eine oder andere Mal durchaus seine Magie einsetzen können, jetzt durfte er es ja, aber Arthur hatte durchblicken lassen, dass er es trotz allem dennoch lieber sah, wenn die Kranken durch “normale” Künste, sprich Heilsalben u.s.w., gerettet wurden. Nur im absoluten Notfall durfte auch Merlin einmal seine Macht einsetzen. Aber wie gesagt, auch Leeana empfand es als persönliche Freude, wenn sie und Gaius den Kranken ohne Anwendung von Magie helfen konnten. Und so wurde sie in Jahren zu einer hervorragenden Heilerin, die Gaius in nichts nachstand.
Und Gaius selbst? Nun ja, er war natürlich auch um eben diese Jahre gealtert und spürte, dass sein Leben nicht mehr allzu lange dauern würde. Natürlich wusste er nicht, wie lange der Allmächtige ihm auf dieser Erde noch geben würde, aber es erfüllte ihn mit Stolz und Freude, zwei solche großartigen Menschen wie Merlin und Leeana in seiner Nähe zu wissen. Merlin hatte es endlich geschafft, seinen Lebenssinn zu erfüllen, und Leeana war beinahe so weit, seine Nachfolge anzutreten, sollte er… Nun ja, soweit war es ja noch nicht. Vorerst war er noch da und konnte der jungen Frau noch viel seiner Weisheit mit auf den Weg geben.
Und es gab noch jemanden, der nach Camelot zurück gekehrt war. Lanzelot! Kurz nach Arthurs Krönung hatte dieser den Kodex zurück genommen, den sein Vater einst aufgestellt hatte, der besagte, dass nur Adlige in den Ritterstand genommen werden durften. Doch Sir Leon hatte ihm vorhergesagt, dass nun praktisch jeder kommen könnte um sich prüfen zu lassen, und daher gab es bestimmte Regeln, denen man sich unterziehen musste, wenn man zum Ritter geschlagen werden wollte. Zuerst einmal hatte Arthur die Termine für die Prüfungen auf jeden 1. des Monats gesetzt. Es stand zwar jedem Mann zwischen 20 und 30 Jahren frei, sich der Prüfung zu unterziehen, der sich stark genug fühlte, dennoch wurde schnell klar, dass die Bedingungen, unter denen “gekämpft” wurde, noch schwerer wurden, als bisher schon. Die Rittersanwärter traten zuerst gegen Sir Leon an, der sie bereits mit allen Mitteln “traktierte”, und diejenigen, die gegen ihn gewannen, mussten es mit Arthur persönlich aufnehmen. Und nur diejenigen, die es auch schafften, gegen Arthur zu gewinnen, wurden ohne Weiteres von Arthur zum Ritter geschlagen.
Und so stand am 1. des Folgemonats, Lancelot vor Arthur um sich erneut der Prüfung zu unterziehen. Nach der ersten Überraschung versicherte Arthur Lancelot zwar, dass er die Prüfung nicht mehr zu absolvieren brauchte, da er sie bereits bestanden hatte, und er diese auch so akzeptierte, doch Lancelot bestand darauf, es dieses Mal unter ehrlichen Voraussetzungen zu schaffen. Merlin wurde ein wenig rot, da er wusste, wovon Lancelot sprach. Aber Arthur sagte nichts dazu und so wurde auch Lancelot erneut getestet. Natürlich bestand er die Prüfung mit Bravour und so wurden sie alle Zeugen, wie Lancelot seinen Titel nunmehr rechtmäßig erwarb.
Sowohl Merlin als auch Gwen waren sehr stolz, und vor allem Gwen freute sich, dass Lancelot zurück gekehrt war…
Ja, Gwen, Sie war die einzige, die es nicht so einfach gehabt hatte, Sie war zuerst untröstlich gewesen, als sie von Morganas Tat erfahren hatte, und dann musste natürlich entschieden werden, was ihre nächsten Aufgaben am Hofe sein würden. Sie war ja von Anfang an Morganas Zofe gewesen…
Nachdem sie sich einige Zeit um die Gäste gekümmert hatte, ihre Zimmer eingerichtet und diese bedient hatte, wechselten ihre Aufgaben. Doch dann fiel der alte Schatzmeister bei Arthur in Ungnade, da er sich aus der Schatzkammer bedient hatte. Arthur war gezwungen, ihn zu ersetzen, und da Gwen immer eine ehrliche und verlässliche Person gewesen war, und er ihr 100prozentig vertraute, übergab er ihr diesen verantwortungsvollen Posten.
Gwen war froh darüber, endlich wieder eine feste Aufgabe zu haben, die sie mit absolutem Eifer erfüllte.
Und so lebten alle glücklich und zufrieden mit ihren Arbeiten und Tätigkeiten, bis zu dem Tag, als das Schicksal erneut ihre Wege kreuzte und alles veränderte…

